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Hermann
Werhahn
ehemaliger Ehrenvorsitzender |
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RSV Flottweg 1924 e.V.
Kassel-Rothenditmold Die sieben Gründer des Vereins: Schneider, Völker, Henkel, Lein, Werhahn, Nuhn und Rohpeter waren Mitglieder des R.S.C 1899-Rothenditmold. Außer Hermann Lein waren alle anderen im Saalradsport tätig, im Einer-Kunstradfahren, im Zweier-Kunstradfahren und im Zweier-Radball. Gefahren wurde auf alten, schweren Saalmaschinen mit Stahlfelgen und Wulstreifen, Baujahr 1906. Martin Henkel hatte eine eigene Radballmaschine, Friedel Völker eine eigene Kunstmaschine, Hermann Werhahn hatte sich eine Radballmaschine selbst gebaut.Seit 1921 hatten wir den damaligen 1. Vorsitzenden des R.S.C. 1899, Karl Otto, gebeten, für den Saalradsport moderne, neue Räder mit Holzfelgen und Schlauchreifen anzuschaffen. Es geschah aber nichts. Für den Radrennsport wurde alles getan, aber der Saalradsport blieb das Stiefkind, obwohl wir durch viele Saalradsportveranstaltungen in den Kasseler Sälen die Vereinskasse vom R.S.C. 1899 aufbesserten.
Nach der Gründung des RSV Flottweg wurde in der ersten Vereinsversammlung der Vereinsbeitrag auf monatlich RM 10,-- festgesetzt. Nach ca. 4 Wochen hatten wir schon einen Mitgliedsbestand von ca. 25 - 30 Mann. Das waren schon 250,- bis 300,- Mark pro Monat, für die damalige Zeit, ein Jahr nach der großen Inflation, ein stattlicher Betrag. Jetzt wurden 13 neue Saalmaschinen bei der Dürrkopp-Vertretung Mohr in der Hohentorstraße bestellt. Nach ca. 3 Monaten wurden die Räder nach unseren Maßangaben geliefert. Das Training begann in der großen Turnhalle der Rothenditmolder Bürgerschule. Hier wurde auch die erste Saalradsportveranstaltung mit einer großen Tombola durchgeführt. Die wertvollen Preise erhielten wir von vielen Kasseler Geschäftsleuten und Firmen, die vorher vom Verein schriftlich unterrichtet wurden. Die sieben Vereinsgründer holten dann die Preise ab. Da wir keine Ausgaben für die Tombola hatten, erzielten wir einen guten Gewinn, der zur Bezahlung der Räder beisteuerte. Da die Rothenditmolder Turnhalle überbelegt war, erhielten wir von der Stadt Kassel die Zusage für die Benutzung der Turnhalle in der ORI, Kölnische Straße. Übungstage: Dienstag und Freitag von 18.00 -22.00 Uhr und Sonntag von 9.00 - 12.00 Uhr. Fachwart war Friedel Völker. Die Aufstellung der 36 Übungen in 6 Minuten, mit festgelegter Punktzahl, legte der erste Vorsitzende und Regisseur des 6er-Kunstreigens, Otto Schneider, fest, der auch selbst in den ersten zwei Jahren nach der Gründung mitfuhr. Um die 13 Räder schnellstens bezahlen zu können, wurden Saalsportfeste in Bebra, Melsungen, Hofgeismar und Eschwege organisiert und durchgeführt. Das erste große Saalsportfest mit anschließendem Tanz fand im Januar 1925 im großen Stadtparksaal in der Garde-Du-Corps-Straße statt; ein voller Erfolg mit ca. 1.500,- Mark Überschuß. Das zweite große Sportfest war Anfang 1926 im Vereinshaus Kölnische Straße, wo heute die Dresdener Bank steht (auch mit einem guten Überschuß). Nun waren die 13 Saalmaschinen bezahlt. Für die sieben Gründer, die neben der Organisation der Veranstaltungen auch das Sportprogramm selbst durchführten, war dies eine tolle Leistung. Nun stellten sich die ersten großen Erfolge im Kunstradfahren ein. Deutsche Meisterschaften 1926 in Stettin im 2er-Kunstradfahren: Friedel Völker und Georg Nuhn wurden auf Anhieb Vizemeister. Im gleichen Jahr in Gießen die Hessische Verbands-Meisterschaft im 6er- Kunstreigen. Sieger RSV Flottweg mit Völker, Schneider, Henkel, Werhahn, Nuhn und Usinger. Von 1926 ab wurden alle Meisterschaften im damaligen Gau 17a, Bund Deutscher Radfahrer, im Einer-, Zweier- und Sechser-Kunstradfahren sowie Zweier-Radball vom RSV Flottweg nach Rothenditmold geholt. Die erste Mannschaft wurde von Werhahn-Momberg vertreten und die zweite Mannschaft von Henkel-Rohpeter. 1927 in Köln, Deutsche Meister im Zweier-Kunstradfahren, Nuhn-Usinger und im Sechser-Kunstradfahren 3.Preis, Werhahn, Nuhn, Usinger, Momberg, Müller und Sauer. 1928 in Nürnberg im Sechser-Kunstradfahren Vizemeister mit der gleichen Mannschaft. Im August 1930 in Halle an der Saale der größte Erfolg: Deutscher Meister im Zweier-Kunstradfahren, Nuhn-Usinger und Sechser-Kunstradfahren Werhahn, Nuhn, Usinger, Momberg, Müller und Sauer. Im Jahre 1935 in Erfurt und 1936 in Bonn wurde von der gleichen Mannschaft im Sechser-Kunstradfahren die Deutsche Meisterschaft nach Rothenditmold geholt. Der Empfang am Hauptbahnhof war überwältigend. Alle Kasseler Sportvereine waren anwesend. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Lameier begrüßte die Mannschaft und dann ging´s im offenen Auto nach Rothenditmold. Die Wolfhager Straße, die Naumburger Straße waren durchweg mit Girlanden geschmückt, und ganz Rothenditmold stand Kopf. Es war das erste Mal, daß zwei Deutsche Meisterschaften überhaupt in einer Sportart nach Kassel kamen. 1936 fand die Olympiade in Berlin statt. Die Mannschaften von RSV Flottweg mußten das 2er-Kunstradfahren und 6er-Kunstradfahren als Schaufahren vorführen. Für 1937 bekamen wir von dem anwesenden englischen Radsportverband eine Einladung nach London und Manchester. Ein schönes Erlebnis für die Mannschaft. Ab August 1930 bis zum Jahr 1958 (außer den Kriegsjahren) fanden jedes Jahr Großveranstaltungen des RSV Flottweg in der Kasseler Stadthalle statt. Im Mai 1937 wurde der 1. Vorsitzende Hermann Werhahn zur Luftwaffe nach Mersburg versetzt. Zum Nachfolger wählte der Verein Kurt Dingel. Der Verein hatte damals etwas über 100 Mitglieder. Heia Schier wurde für Werhahn Nachfolger im 6er-Kunstreigen. Mit Beginn des 2. Weltkrieges, am 01.09.1939, ruhte der Sportbetrieb im RSV Flottweg. Nach Kriegsende, im Mai 1945, nahmen die noch in Kassel wohnenden Mitglieder wieder Kontakt auf. Unser lieber Reinhold Usinger war an der Ostfront gefallen. Das war für uns ein schwerer Verlust. Er war Deutscher Meister im 2-er Kunstradfahren und im 6er-Kunstreigen. Heia Schier trat im 6er-Kunstreigen an seine Stelle. Kurt Dingel kam erst 1947 aus französischer Gefangenschaft, Hermann Werhahn 1946 aus englischer Gefangenschaft und Willi Momberg 1949 aus russischer Gefangenschaft zurück. Nun wurde 1948 in der Gastwirtschaft "Zum Onkel Heia", Siemensstraße Nr.1, der RSV Flottweg zum zweiten Mal gegründet. Kurt Dingel wurde zum 1. Vorsitzenden wiedergewählt, Friedel Völker zum Fachwart für Kunstradfahren und Radball, Georg Loose zum Kassenwart und Karl Eulner zum Schriftführer gewählt. Hermann Nolte, Schwiegersohn der Vereinswirtin Martha Lotz, seine Frau Anneliese und die Vereinswirtin traten dem Verein bei. Hermann Nolte war für Flottweg eine große Stütze und ein hervorragender Organisator für alle Veranstaltungen, die der Verein durchführte. Nun begann die Arbeit. Die Kunstfahrräder und Radballmaschinen waren gestohlen und zum Teil schwer beschädigt. Die Fahrer des Vereins waren zum Teil gute Fachkräfte und brachten die Räder wieder zum Rollen. Neue Räder gab es in den Nachkriegsjahren noch nicht zu kaufen. Von der Stadt Kassel erhielten wir vorläufig zum Training die Turnhalle in der Kirchditmolder Bürgerschule. Drei Jahre später konnten wir dann wieder in die ORI, jetzige Albert-Schweitzer-Schule, umziehen. Der Sportbetrieb kam in der Sporthalle nun langsam in Bewegung. Der 6er-Kunstreigen wurde wieder von Hermann Werhahn, Georg Nuhn, Willi Momberg, Albert Müller, Willi Sauer und Heia Schier gefahren und klappte wie vor neun Jahren. Georg Nuhn fuhr auch wieder im Einer-Kunstradfahren und Hermann Werhahn, Willi Momberg sowie Karl Rohpeter und Martin Henkel im Zweier-Radball. Die erste Deutsche Meisterschaft nach dem Krieg fand 1950 in Mönchengladbach statt. Flottweg errang im 6er-Kunstreigen den 3. Platz. Das war für den Anfang schon ganz gut, zumal die Mannschaft bereits ein Alter zwischen 35 - 48 Jahre erreicht hatte. Nach dem ersten großen Radsportfest in der Kasseler Stadthalle, mit anschließendem Tanz, bekam der Verein Mitgliederzuwachs. Karl Wieddekind, er bekam sofort den Posten als Spezialist für die Radinstandsetzung. Hermann Werhahn stiftete dafür eine Werkbank mit Schraubstock und die benötigten Werkzeuge. Dann folgten Siegfried Pils, Waldi Franke, Hodi Thum, Heinz Klapp, Willi Entorf, Roland Nürnberger und Alfred Dietrich, Ludwig Fischer, Traudel Staub-Bork, Helga Bugdoll, Anita Pfaff, Bodo Pfaff u.a.. Als Radballspieler kamen Ulrich und Beisheim und als Schülerinnen meldeten sich Irene Klapp, Annemarie Georges, Hannelore Ortmann u.a. an. Die 2. Kunstreigenmannschaft wurde nun aufgestellt. Sie bestand aus Willi Entorf, Waldi Franke, Holdi Thum, Heinz Klapp, Roland Nürnberger und Albert Müller. Sie errangen dann auch, nach einer gewissen Trainingszeit, die Hessenmeisterschaft. Der Stolz des Vereins war das Zweier-Kunstradfahrerpaar Irene Klapp und Annemarie Georges; im Einer-Kunstradfahren, Heidi Staub, Ingrid Fischer und Dieter Wieddekind. Nun wurden auch wieder neue Saalsporträder in gewissen Abständen erworben. Leider wurde der neue, junge 6er-Kunstreigen nicht alt. Hodi Thum und Heinz Klapp traten aus dem Verein aus. Auch die beiden Radballspieler Ulrich und Beisheim meldeten sich ab. Roland Nürnberger blieb dem Training fern und Waldi Franke hatte in Fritzlar eine Tankstelle übernommen und konnte daher nicht mehr zum Training kommen. Hannelore Ortmann, die schon als Schülerin dem Verein beitrat, Hilla Sauer, Anita Pfaff und Traudel Bork fuhren einen 4er-Damenreigen. Christiane und Silke Ortmann errangen im Kunstradfahren gute Erfolge. Unvergessen sind auch die schönen geselligen Veranstaltungen von Flottweg, die sich stets großer Beteiligung erfreuten. Die schönen Busfahrten, Wanderungen und der Vatertag-Himmelfahrtstag sind noch in guter Erinnerung. In den 60er Jahren fand auch die Weltmeisterschaft im Kunstradfahren und 2er-Radball in der Kasseler Stadthalle statt. Bei der Organisation dieser Veranstaltung war der RSV Flottweg maßgeblich beteiligt. Als Siegfried Pils und Ulli Günter im 2er-Kunstradfahren sehr gute Fortschritte machten, kam die Trennung von ca. 10 Mitgliedern, die in Weimar gebaut hatten. Siegfried Pils hatte sich mit ca. acht Sportlern dem Weimarer Sportverein angeschlossen. Nun war der Nachwuchs wieder fort. In 1970 trat Hartmut Kamphausen, der von Mengeringhausen aus beruflichen Gründen nach Kassel wechselte, dem Verein bei. Er bemühte sich um den Nachwuchs im 2er-Radball. Der Verein erhielt zusätzlich die Turnhalle der Fasanenhof-Schule zum Training, nur für Radball. Hermann Werhahn baute zwei neue Radballtore und ein auf Kugellager laufendes Drehgerät, um das Steigerfahren schneller und ohne Hilfsperson zu lernen. Dieses Gerät kam in die Albert-Schweitzer-Schule. 1978 trat Kurt Dingel, der seit 1937 1. Vorsitzender war, aus gesundheitlichen Gründen zurück. Hartmut Kamphausen wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Diese Zeilen sollen eine Vereinschronik ersetzen, die in den Jahren versäumt wurde, als die leider so früh verstorbenen Gründer und Sportler des RSV Flottweg noch unter uns weilten. Ich habe das so niedergeschrieben, wie es mir in meinem hohen Alter von der Gründung 1924 bis zum Jahre 1978 noch in Erinnerung ist. Von 1979 ab ist unser jetziger 1. Vorsitzender, Hartmut Kamphausen, besser im Bilde. Mit einem dreifachen Flottweg Euer Sportkamerad Hermann
Werhahn | |